ChessBase Magazin

Nimzo-Indisch 5.Ld3 d5 6.a3 Lxc3+ 7.bxc3 dxc4

Ein moderner Nimzo-Inder

Nach 4.e3 0-0 5.Ld3 d5 6.a3 Lxc3+ 7.bxc3 dxc4 8.Lxc4 c5 nimmt Andrei Volokitin Schwarz

In letzter Zeit gab es einen sehr populären Versuch für Weiß, in der Nimzo-Indischen Verteidigung einen Vorteil zu erlangen: 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.e3 0-0 5.Ld3 d5 6.a3. Das logische 6...Lxc3+ 7.bxc3 dxc4 8.Lxc4 c5

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führt zu unserer Ausgangsstellung. Weiß hat das Läuferpaar gewonnen und muss nun entscheiden, wie er seinen Königsspringer entwickelt, also 9.Sf3 oder 9.Se2. Diese Übersicht dient Schwarz als praktische Anleitung, wie er auf beide Fortsetzungen reagieren kann.

A) 9.Se2 Sc6!?

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Zum ersten Mal sah ich diesen Springerzug 2024 in einer Partie zwischen den Schachlegenden Ivanchuk und Gelfand. Er fiel mir sofort ins Auge, da Boris Gelfand für seine tiefgründige und fundamentale Eröffnungsvorbereitung bekannt ist. Die Idee hinter 9…Sc6!? ist typisch für die Nimzo-Indische Verteidigung: die Vorbereitung des zentralen Durchbruchs…e5. 10.0-0.

Neben der natürlichen Rochade hat Weiß noch einige andere Züge zur Verfügung.

10.a4, mit der Absicht, den Läufer von c1 nach a3 zu entwickeln, kam in einem Klassiker vor: Botwinnik-Reschewski, Moskau 1946! Nach 10…Dc7 11.La3 wäre der stärkste Zug für Schwarz 11…Td8! gewesen,

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wonach er prima steht, denn 12.Lxc5 läuft in den Trick 12…Se4! 13.La3 Sxd4! 14.cxd4 Da5+!! 15.Kf1 Sd2+ 16.Kg1 Sc4=+.

10.Sg3 ist der moderne Ansatz, der darauf abzielt, 10…e5?! mit 11.d5 Sa5 12.La2 zu beantworten, wonach Weiß bereit ist, seinen d5-Bauern mit c4 oder e4 zu stützen. Nach 10…Da5! 11.Ld2 Dc7 (visiert den ungedeckten Läufer auf c4 an; die Drohung lautet …cxd4, …Sxd4 und …Dxc4) 12.Tc1 Dd6

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mit der Idee ...e5 als nächsten Zug erscheint die Stellung von Schwarz spielbar. Alle diese Optionen werden behandelt in den Anmerkungen zur Ivanchuk,V - Gelfand,B ½-½.

10...e5.

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11.Lb2. Nicht die beste Reaktion. Der logischste Zug ist 11. a4; danach führt 11…exd4 12.cxd4 cxd4 13.Sxd4 Sxd4 14.exd4 Le6! 15.Lxe6 fxe6 zu einer ausgeglichenen, aber für Schwarz aufgrund seines starken Vorpostens auf d5 leicht zu spielenden Stellung. 11…Sa5! 12. La2 Le6!.

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Das ist der Sinn des Spiels von Schwarz! Nach dem Tausch der weißfeldrigen Läufer kontrolliert er das Feld c4, während Weiß auf einem sehr passiven Läufer auf b2 sitzenbleibt. 13.Lxe6 fxe6.

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In dieser Stellung spielte Ivanchuk das ungenaue 14.Sg3?!, wonach 14…Dd5! Gelfand ein Plus verschaffte, siehe Ivanchuk,V - Gelfand,B ½-½). Später im Jahr 2025 wählte Matthias Bluebaum gegen mich 14.a4, und nach 14…Tc8 15.La3 b6 16.Db1 Sc4 stand Schwarz ebenfalls etwas besser, siehe Bluebaum,M - Volokitin,A 0-1.

B) 9.Sf3 Dc7 10.Le2. Dies ist der positionelle Versuch für Weiß, nach der Eröffnung einen Vorteil zu erlangen; er setzt auf die langfristige Stärke des Läuferpaares. 10…b6 11.Lb2. Nach 11.0-0 sollte Schwarz dieselbe Fortsetzung wählen: 11…cxd4 12.cxd4 La6!. Der Läufertausch ist strategisch die richtige Idee.

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Hier versuchte ich zunächst die einfache Strategie, meine Figuren mit 11…Lb7 zu entwickeln (siehe Kozak,A - Volokitin,A ½-½) und erreichte eine spielbare Stellung, die aber aufgrund des Läuferpaares für Weiß möglicherweise einen Tick besser ist. Nach dieser Partie erkannte ich, dass der strategisch korrekte Plan darin besteht, die weißfeldrigen Läufer abzutauschen: 11…cxd4! mit der Absicht 12.cxd4 La6!.

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In dieser Stellung versuchte ich zunächst die einfache Strategie, meine Figuren mit 11…Lb7 zu entwickeln (siehe Kozak, A – Volokitin, A ½-½) und erreichte eine spielbare Stellung, die aufgrund des Läuferpaares möglicherweise sogar etwas besser für Weiß war. Nach dieser Partie erkannte ich, dass der strategisch korrekte Plan darin besteht, die weißfeldrigen Läufer abzutauschen, 11…cxd4!, mit der Absicht, 12.cxd4 La6! zu spielen.

Ich denke, das ist der richtige Weg, die Stellung auszugleichen.

Im Falle von 12.exd4 sollte Schwarz mit 12…Sd5! das geschwächte Feld f4 ins Visier nehmen. 13.c4 Sf4 14.0-0 La6 15.Tc1.

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Gumularz,S - Volokitin,A ½-½ sah nun 15…Sc6!? 16.Te1 Sxe2+ 17.Dxe2 Df4! (ein typischer Zug, Prophylaxe gegen De4) und ich war völlig zufrieden.

Nach der obigen Partie wurde mir klar, dass die präziseste Zugfolge für Schwarz, die Weiß' Optionen einschränkt, das sofortige 10…cxd4! 11.cxd4 (11.exd4 Dxc3+) b6! ist.

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Mit dem folgenden 11…La6 geht das Spiel zu 10…b6 über.

Fazit: Sowohl nach 8.Se2 Sc6!? als auch nach 8.Sf3 Dc7 9.Le2 cxd4 10.cxd4 b6! kann Schwarz problemlos ausgleichen. Meiner Analyse zufolge hat er eine bequeme Partie und kann nicht nur auf Remis spielen, sondern letztendlich sogar auf Sieg, wenn Weiß Routinezüge macht.